Edusemiotics – eine Annäherung an das Wort

Was für ein wunderbares Wort: „Edusemiotics“ vereint Zeichentheorie und Didaktik. Als ich vor ein paar Montagen von meiner Kollegin Jutta zum ersten Mal davon hörte, klingelte es verführerisch in meinem Kopf. Eigentlich kann mich nichts so sehr fesseln wie der Zusammenhang von Sprache und Wirklichkeitsbezug. Es beginnt und endet alles beim Wort – und das nicht nur weil das Johannes-Evangelium [1] , frei aus der Erinnerung wiedergegeben, mit solchen Sätzen beginnt: Am Anfang war das Wort. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

So lautet der Anfang des Evangeliums in der landläufigen Verwendung einer Predigt. So habe ich es wenigstens gehört. So erinnere ich mich daran. Tatsächlich stehen sehr viel mehr Sätze im Johannes-Evangelium, um vom Anfang bis zum fleischgewordenen Wort zu gelangen. 14 Sätze braucht es, um diesen Bogen zu spannen. „(1) Am Anfang war das Wort, … (14) Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Dazwischen ist die Rede von Gott, der als Wort in die Welt kam. Das Wort und Gott werden gleichgesetzt. „… und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist“, heißt es in Vers 3.

Gleich darauf dann ist die Rede vom Licht, das – wie das Wort- in die Welt kam. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet. (Vers 9) Das aber, so das Lamento in Vers 10, nicht erkannt wird. Nur einige wenige, heißt es weiter, nehmen bzw. nahmen in auf. Denjenigen, die in aufnahmen, gab er – gleichzeitig Licht, Gott und das Wort – die Macht, Kinder Gottes zu werden.

Mit dem Wort ist also eine Verheißung verbunden! Denn das fleischgewordene Wort wird in Herrlichkeit gesehen … voll Gnade und Wahrheit, verspricht es Vers 14. Meine Faszination für das Wort war mit der Lektüre des Johannes-Evangeliums geboren. Oder besser gesagt: mit dem intensiven Erleben einer Rezitation dieser Sätze in der mystischen Atmosphäre einer Kirche, gesprochen von einem Priester, dessen Wort auf das aufnahmebereite Herz einer Jugendlichen fiel.

Wenn ich heute das Wort „Edusemiotics“ höre, dann trifft dieses Wort auf fruchtbaren Boden und ist gleichzeitig ein Versprechen. Wie dieser Ballon, der einen einlädt auf eine Reise rund um die Welt zu gehen.

Edusemiotics verbindet auf geniale Weise Erziehung und Semiotik. Dass das Wort als Zeichen höchst vielfältig sein kann, ja sein muss, ist mir klar – und sehr vertraut. Die Magie des Wortes ist schließlich Grundlage sehr vieler Wissenschaften. Und die Frage nach dem richtigen Wort ist oftmals genau des Pudels Kern. Manchmal aber auch einfach eine Spitzfindigkeit.

Education und semiotics gehören in meinem Verständnis sowieso zusammen. Die Wortschöpfung passt daher für mich wie ein neuer Handschuh – der gut tut, weil er vor der Kälte, die gerade auch in Österreich begonnen hat, schützt. Im ZML-Leseclub werden wir uns am Mittwoch mit dem Begriff auf der Basis der Diskussion, wie sie Jenny Mackness ausgelöst hat, beschäftigen – danach gibt es hoffentlich strukturiertere Gedanken von mir dazu.

  1. Alle Zitate beziehen sich auf die Übersetzung in: Unser Leben – Sein Wort, Verlag Katholisches Bildungswerk, 1980.

Auf einer Reise, krank: Meine Träume irren – über vertrocknete Felder.

Yoel Hofmann in „Die Kunst des letzten Augenblicks“, Todesgedichte japanischer Zenmeister, 2013.
Khaled Barakeh „Die blaue Stunde“ [1]

Sich überraschen lassen: du schlägst den Spiegel, der am Montag in deinem Postfach liegt, an irgendeiner Stelle auf und dein Blick fällt auf eine Pietá. Der Künstler heißt Khaled Barakeh. Er kam 1976 in einem Vorort von Damaskus zur Welt, studierte Kunst, in Syrien und in Europa. Heute unterrichtet er an der Berliner Universität der Künste und zeigt Werke unter dem Motto „Die blaue Stunde“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

Da würde ich mich gerne hinbeamen und in die Bilder schauen. „Wer könnte besser als er sagen, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Koordinatensystem wegbricht und man sich in einem neuen zurechtfinden muss.“ [2]

Auf meinem Finger – löscht das Glühwürmchen – sein Licht.

Haiku von Roberta Beary [3]

  1. © Blog der Bildakademie, Netzwerk Fotografie
  2. Der Spiegel Nr. 47/17.11.2018, S. 130
  3. © Amerikanische Haikus von Ruth Franke