„Es geht ja grad um’s Lernen“

Dustin Hoffman als Chorleiter, der einen Jungen fördert, weil er in ihm ein bisschen was von sich selbst sieht. Und Kevin McHale als Wooly, der sagt ihm die wesentlichen Worte (im Titel oben), als der Junge in den Stimmbruch kommt und die Arbeit, die im Aufbau seiner Sopranstimme steckt, als verloren ansieht. „Es geht ja grad um’s Lernen“ ist der Stehsatz des Films für mich, in dem Moment so wichtig und wahrscheinlich noch unverstanden von dem Jungen.

Der kann übrigens wunderbar singen. Ein mitreißender, mitfühlender Film: „Der Chor – Stimmen des Herzens“

„Der größte Feind der Ironie ist die Naivität.“

Es macht Spaß, Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmeier länger als im ORF üblich und möglich, zuzuhören. Es ist kurzweilig, weil man neue Erkenntnisse gewinnt, in anderen bestätigt wird und es ist gewonnene Zeit, weil die Aussagen des eloqenten, geübten Redners nie belanglos sind.

Einige der mir in Erinnerung gebliebenen Sager aus seinem Auftritt von COM15 Studierenden an der FH JOANNEUM am 26.2.2016 halte ich hier fest, indem ich das ihm in meiner Wahrnehmung wichtige aus einem eineinhalb Stunden Talk zusammenfasse.

Wann immer er vor Publikum oder im ORF rede, er lege Wert darauf, dass seine Aussagen als Wissenschaftler immer datengestützt seien. Er beziehe sich auf Studien, nicht immer natürlich tagesaktuelle Zahlen, aber immer passende Aussagen. Gerade er als Sozialwissenschafter verwende auch oft Fokusgruppen, mit dem Nachteil: „Die ergeben leider keine Balkendiagramme.“

Bei jedem dieser zahlreichen Auftritte würde er persönlich ausblende, wieviele Leute zuschauen. Und ja, in diese Rolle des immer wieder und immer öfter gerne gefragten Experten, vor allem in Wahlzeiten, da sei er hineingerutscht. Er habe, auf seine Fragen nach einem Medientraining für die mehr werdenden öffentlichen Fernsehauftritte, rasch seinen Stil gefunden. Das hätten ihm die Journalisten rückgemeldet. „Aber auch, weil ich immer irrsinnig viel gefragt habe.“

Dass er heute vor allem in der Krone und im ORF zu sehen und zu lesen sei, wäre ein Ergebnis einer Mischung aus strategischer Überlegung und Zufall. Er habe sich aufgrund der Erfahrungen seit 1998 eine gewissen Narrenfreiheit erarbeitet. Aber grundsätzlich entspreche er der Medienlogik. Denn wenn du als Studiengast in Steiermark heute zum Beispiel auch nur eine Minute überziehen würdest, verliere der ORF gleich Zehntausende Euro. Das könne ein Chefredakteur, auch wenn er einen noch so schätze, nicht gut verkraften oder argumentieren.

Live in einer Wahlberichterstattung, da rechne er selbst überhaupt nicht mehr. „nicht mal zwei mal zwei“. Was müssen man also tun, um trotz oder gerade in der Medienlogik gut rüber zu kommen? „Wie schon gesagt“, Spielräume hätte er sich gewisser Maßen erkämpft. Aber die Grundregeln gelte es zu akzeptieren. „Wenn man das nicht kann, dann, das akzeptier ich, geht man eben nicht hin. Medien verkürzen brutal. Das muss man akzeptieren.“

Eine weitere Medienlogik, der es zu entsprechen gelte, sei Professionalität. Deren größter Feind sei die Verknappung der Ressourcen. Es gehe nicht, so Originalton Peter Filzmeier, wenn ein Chefredakteur bei der Europawahl zu seinem Team sage: „Macht’s es wie bei der Nationalratswahl, aber mit 40 Prozent weniger Mittel.“

Ein Resultat dieser Akzpetanz der Medienregeln bzw. Medienlogik sei penible Vorbereitung.

Gegen Ende geht es ans Eingemachte, das gesellschaftspolitisch Interessanteste – das demokratiepolitisch Wichtigste: Das, was den Politologen Peter Filzmeier.

Analyse und Kommentar – Peter Filzmeier argumentiert mit einem Gerichtsurteil gegen die hartnäckige Legende, der ORF als Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk dürfe keine Kommentare senden. Das stimme nicht, sei auch objektiv falsch. Aber selbstredend gerne an Externe ausgelagert. Denn anders als in Print, funktioniere die Kennzeichnung nicht gut. In der Zeitung gäbe es ein Kästchen um den Kommentar, gerne auch noch ein Foto des Autors. Deshalb Filzmeier: „Der größte Feind der Ironie ist die Naivität.“

Was Filzmeier auszeichnet, ist, dass er Standpunkt bezieht.

Sehr erfolgreich, der Medienlogik entsprechend knapp und immer faktenbezogen. Viele Argumente und Fakten eignen sich lange dafür, viele sind Dauerbrenner, auch darum, weil sie einfach stimmen. Manches von dem, was Filzwieser an diesem Abend bei COM15 darlegt, steht – mit den gleichen Sagern – in diesem wunderbaren Porträt, geschrieben von Lukas Kapeller, im Datum aus dem Jahr 2007.

Wichtiger heute zu erfahren wäre, was Filzmeier über die Bundespräsidentenwahl denkt. Da lässt sich der Medienprofi jedoch nicht in die Karten schauen. Bei so vielen Kandidatinnen ist klar, dass „die Rohdaten derzeit keine über 20 Prozent ausweisen“. No na net.

Ein Hinweis hat mir aber doch sehr gut gefallen. Die John Steward Show inden USA zeigt die populärsten politischen Nachrichten dort. Diese Diagnose entspricht dem Trend: Die Tagespresse hier hat gerade sehr schnell viel Erfolg und die Heute-Show in D ist auch nicht von schlechten Eltern. Filzmeier06 Filzmeier01 Filzmeier02 Filzmeier05