footprints of emergence – Überlegungen zum Workshop bei gmw13

Gestern, Mittwoch, hielt ich mit meinen Kolleginnen Jutta Pauschenwein und Erika Pernold bei der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (gmw13) einen Workshop zum Thema „Footprints of emergence – eine aussagekräftige Evaluierungsmethode für moderne Lernszenarien“ – und wir hatten davor auch die Gelegenheit, unser Thema im Rahmen einer Postersession vorzustellen.

ws gesamt

Einige Fragen und Überlegungen spuken mir seitdem im Kopf herum – befeuert durch die hinterfragenden Kommentare der Gäste vor dem Poster und der TeilnehmerInnen am Workshop. Da passt es gut, dass Jenny Mackness und Roy Williams, die zusammen die Idee der Footprints aufgebracht haben, gleichzeitig an einer Weiterentwicklung arbeiten: Die footprints als Möglichkeit, Spuren von emergent learning festzuhalten, sind faszinierend in ihrer ikonografischen Kraft UND Aussagekraft, sie wirken visuell UND exakt – ein Widerspruch in sich.

Jutta, Erika und ich – wir sind vor ungefähr einem Jahr von den footprints „geangelt“ worden (so drücke ich es am liebsten aus, auch wenn das Bild auf deutsch etwas wackelig wirkt). Wow, habe ich mir beim Lesen der ersten Artikel von Jenny und Roy darüber gedacht – und mich sofort an die Übertragung der 25 Faktoren, mit denen Jenny und Roy emergent learning erfassen, vom Englischen ins Deutsche gemacht. Bald saßen Jutta, Erika und ich zu dritt an der Übersetzung – und kämpften mit den verschieden Eigenschaften und Konnotationen der deutschen und englischen Begriffe. (Jutta hat bisher ihre Beschäftigung mit den und die Entwicklung der deutschsprachigen footprints am besten auf dem zml-Blog zusammengefaßt.)

Ich bin heute immer noch und nach dem WS bei der gmw13 noch mehr der Meinung, dass die Gesamtschau der 25 Begriffe, die Jenny und Roy in vier Cluster zusammenfassten (Open/Structure, Interactive Environment, Agency, Presence/Writing) eine umfassende Beschreibung der Qualität und des Vorhandenseins von emergent learning ist. Ein gelungender Versuch, die komplexen Vorgänge, die Voraussetzung, Bedingung und Geschehen bei emergent learning sind, zu kategorisieren.

In unserem WS mit den eLearning-Expertinnen und Experten der gmw13 erwies sich jedoch einmal mehr die Skalierung jedes einzelnen Faktors zwischen 1 und >30 als die eine große Frage, Fußangel, und Unschärfe. In den Gesprächen am WS bekam ich das Gefühl, die ikonografische Aussagekraft der footprints würde leiden, sobald empirisch und statistisch sozialisierte Personen über die „Bewertung“ jedes Faktors auf einer Skala von 1 bis >30 zu lange nachdenken könnten. Es täte mir um die footrpints leid, wenn man in der Diskusison darüber exakte mathematische Diagramme als Folie dafür hernehmen würde. Das sind die footprints nämlich nicht.

Aus diesem Grund habe ich für den Workshop als Designerin zwei footprints erstellt: einen auf unserem deutschsprachigen excel-Sheet und einen auf dem Word-Dokument von Roy und Jenny, das wie die Palette eines Malers zu benutzen ist: man folgt bei der Erstellung eines footprints seiner Intuition, man zeichnet ihn viel eher, als dass man kognitiv-numerische Maßstäbe heranzieht und damit eher bewertet.

workshop gmw13 .xlsxws gmw aus designersicht nachher

Ich bin froh, dass die zwei footprints, die sich ja auf ein und dieselbe Lernerfahrung (aus der Sicht der Designerin) beziehen in ihrer Tendenz ähnlich sind. Das Gefühl und das Erlebnis bei der Erstellung allerdings habe ich als völlig verschieden erlebt. Darüber mehr bei nächster Gelegenheit.

 

PS und Nachtrag am 10. September:

Grade habe ich gesehen, dass unsere spontane Zusammenfassung des Workshops, die Jutta, Erika und ich gleich nach der Veranstaltung ins Mikrophon des Kameramanns von studium digitale der Goethe-Uni online gegangen ist. Ab Minute 14:18 des Videos hier kann man es nachhören.

 

PS und noch ein Nachtrag am 11. September:

Grade habe ich erfahren, dass unser Plakat „footprints of emergence“ als best poster prämiiert wurde! Wenn wir den Preis erhalten haben, werden Jutta, Erika und ich sicher feiern.

„Morgenseiten“

Farbstifte

Ist das genial? Wenn ich das richtig verstanden habe, besteht die Übung der „Morgenseiten“ darin, gleich nach dem Aufstehen einfach mit seinen Gedanken drei Seiten vollzuschreiben. Ohne spezielles Ziel, einfach den Flow nutzen. Liebe Elke Edlinger, die mich per fb auf diesen Gedanken brachte, ich werde es versuchen, jedenfalls damit beginnen. Passende Hefte (leer) liegen bei mir zu Hause genug herum – ich könnte mir vorstellen, dass mir mein einfaches, zusammenhangloses, auf Struktur einfach pfeiffendes Geschreibsel PER HAND!!!, also total analog!!! helfen wird.

Wie heißt es in einem der fb Kommentare: >war in der absolut schwierigsten Zeit meines Lebens, da hab ich das auch schon gemacht.<

Wann, wenn nicht jetzt, müsste es auch bei mir sein.

Optimismus gesucht…

kreta radl

„Sonnige, leuchtende Tage; weine nicht, weil sie verloren sind, sondern freue Dich, weil sie gewesen sind.“

Viktor Frankl zitiert, während er in seinem Lieblingsgebiet wandert, einen Weisen. Als ich unlängst mit einem völlig untauglichen alten Radl, bei dem sogar der Sattel wackelte und das, absolut ungewohnt, nur eine Rücktrittbremse besaß, im süden Kretas zu einem idyllischen Strand unterwegs war, fiel mir so ein Spruch oder etwas Ähnliches ein.

Optimismus hat wenig mit den äußeren Gegebenheiten zu tun – viel, viel mehr mit der inneren Einstellung. „Glück ist, wenn man trotzdem lacht.“ Nicht im Wortlaut, aber inhaltlich ähnlich lässt Wolfgang Borchert seinen Heimkehrer nach dem Krieg so etwas sagen.

Heute, scheint mir, ist die Lage nicht besser, aber es wird nicht so dramatisch darüber berichtet. Jedenfalls nicht so, dass es mit einer gewissen Panik ankommt. Der Schriftstellerin Monika Maron geht es beim Zeitungslesen ähnlich. Ihr Essay im Spiegel dieser Woche reflektiert, wie wenig die Medienberichterstattung tatsächlich ihre eigenen Ansichten, Einstellungen, Überzeugungen wiedergibt. Mir geht es genau so. Und ich sehe darin auch einen der Gründe für die Krise des Journalismus.