Die Bedeutung der Sprache in der Kommunikation zwischen Kulturen 

Gerade koordiniere ich eine LV zum Thema Interkulturelle Kommunikation. Sprache, das haben wir gleich am Anfang diskutiert, hat einen großen Anteil am Gelingen, Sprachbeherrschung und – vielleicht in meinen Augen noch wichtiger – das Sprachgefühl.

Sprache hat viel mit Identität zu tun. Bin ich nicht jemand anderer für diejenigen, die mich nur in einer Fremdsprache redend kennen? Ja und nein, ist meine Antwort. Es hängt stark von der Authentizität ab, mit der ich die Sprache spreche. Denn, seien wir uns ehrlich, auch meine Freunde kennen mich anders als meine Oma. Und das sind nicht unbedingt andere Rollen, die ich Ihnen gegenüber einnehme. Ich spiele ja schließlich nicht die Enkelrolle, ich bin es.

Sprache unterscheidet wirklich – und oft sind es nicht die Wörter, die die Bedeutung transportieren. Schaut Euch doch mal diese Übersetzung an: Haydar und Derya spielen und singen ein Lied in einem türkischen Sender. Heute finde ich den Mitschnitt auf fb und lasse mir mit Google einen Kommentar darunter übersetzen: „Euer Mund, Gesundheit Freunde..“ steht dort laut Google.

Nun ist Google, was Türkisch- Deutsch betrifft, ein sehr schlechter Übersetzer. Das weiß ich. Diesmal aber glaube ich ihm. Die Übersetzung macht auf Deutsch zwar keinen Sinn. Eine Türkin sagt ihren Freunden aus Freude über das schöne Lied, das sie so gut gespielt haben, aber tatsächlich ein Lob wie: „Gesegnet sei euer Mund, Freunde“. Das „saglik“ ist eine Segensformel und kann auch mit Gesundheit übersetzt werden. Sprache, das lernt man fast schon vom Google Übersetzer, ist eine schwierige Sache. Worte allein sind sicher nicht genug, um die Bedeutung zu verstehen. Da gehört Einfühlungsvermögen dazu. Und das hat nicht viel mit der Sprachbeherrschung zu tun. Das braucht’s drüber und drunter. Also noch zusätzlich zur Sprachbeherrschung oder auch ohne eine solche. Ich kann nämlich gar kein Türkisch. Jedenfalls nicht so, wie man es zum Sprechen braucht.

Für die interkulturelle Kommunikation bedeutet das: Die Sprache ist ganz bestimmt wichtig zu Verständigung. Sie reicht aber nicht zum Gelingen der Verständigung.

Und Sprache, das erzählt mir dieses kleine Beispiel auch noch, unterscheidet Kulturen sehr stark. Wer würde heute so blumig auf Deutsch reden? Wenn der Sprachgebrauch auch sehr viel über die Identität aussagt, dann hilft es mir zu wissen, dass man auf Türkisch viel blumiger, viel schnörkeliger formuliert. Diese Tatsache erzählt mir eine ganze Menge über meine türkischen Freunde. Und mehr noch, weil ich weiß, dass man auf Deutsch in einer Zeit vor der heutigen ähnliche Formulierungen verwendet hat. Der Sprachgebrauch ist auch eine Tochter der Zeit. (Dieser Satz mir seinen Widersprüchen gefällt mir.)

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