Flüchtig – wichtig – ephemeral

Ephemeral Media: Ich habe am Freitag etwas neues gelernt bei dem GBP Kurs „Global Corporate Communication“, den ich zusammen mit Heinz Wittenbrink unterrichte: Junge Leute benützen Social Media ganz selbstverständlich. Natürlich.

Das bedeutet auch: Der Hype ist weg. Gut so. Und sie benutzen die verschiedenen Angebote anlass- und zielorientiert. Auf Facebook ist jede/r, Twitter wird außerhalb von Österreich auch genutzt und darüber hinaus nutzen sie Snapchat, Whatsapp und was auch noch.Anwendungen wie Snapchat gehören zur Kategorie der „ephemeren media“. Sie werden nicht permanent gespeichert, mehr noch: Sie sind nach Benützung, also dem Verschicken an Freunde, einfach verschwunden bzw. zerstören sich nach 1 bis maximal 10 Sekunden, als Versender kann man das selbst einstellen.

Ich finde, das hat Vorteile. Sicherlich. Aber es vergrößert auch die Hektik, widerspricht also meiner Sehnsucht nach Verzögerung der Zeit. Mir wäre lieber, es würde langsamer, nicht schneller gehen. Alles. Das Leben. Die Arbeit. Die Informationsaufnahme. Die erwartete Reaktionszeit.

Und trotzdem ist es spaßig. Kann ich mir vorstellen. Was es für Unternehmen bedeuten könnte, weiß man noch nicht. Wenn Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach auf seinem Blog das „ephemeral web“ als ein drittes neben dem Google- und dem Facebook-Web proklamiert und ihm eine hohe Zeit für 2015 prophezeit, ohne sich darauf festzulegen, wofür es stehen wird, dann klingt das schlüssig für mich. Es könnte wie gesprochene Sprache aussehen. Zurück zum Ursprung sozusagen. Über Erzählkulturen der Frühgeschichte und des Mittelalters wissen wir nur gar nichts bis wenig. Geschichten, die mündlich überliefert wurden, haben sich mit jeder Station weiter entwickelt. Sind anders geworden. Angepasst an die Zeit, die Mode, den Erzähler und sein Publikum. – Es würde mir gefallen, wenn ephemeral media tatsächlich flüchtig wären. Dagegen spricht aber vieles – zuletzt natürlich vor allem dass es sich um digitale Daten handelt, und so etwas wie „digitales Vergessen“ an sich absurd ist.

PS am 14. Jänner 2015:

Being or becoming social again! Zwei Links, auf die ich heute gestoßen (worden) bin, unterstreichen, was das Netz wieder werden muss:

  • Social needs to be more like real-life interactions,” says Casey Neistat, a Youtuber with Millions of Followers, cited in this NYT article. Das und die Argumentation rundherum klingt nach „Snapchat ist wie reden“ und genau das brauchen wir wieder.
  • Apropos: Auch die Newclues von Doc Searls und David Weinberger in der Nachfolge des Cluetrain Manifests von vor 16 Jahren argumentieren für die Rückeroberung des Webs – wobei sie den Ausgang offenlassen. Darüber wird sicher noch viel zu denken sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.