#fran14: Vor der Ausstellung

Katharina Grosse ist eine ganz Große des zeitgenössischen Ausstellungsbetriebes. Nicht nur Google bringt ihren Namen sofort mit Katharina II, genannt die Große, in Zusammenhang. Auch Kuratorinnen versprechen sich schon mal, wenn sie über das Werk und die Bedeutung Katharina Grosses resümmieren.

So geschehen am Dienstag dieser Woche: Das Kunsthaus Graz lud sein #fran14 Grüppchen zu einem besonderen Event: Wir konnten die Kuratorin Mag. Katrin Rosalind Bucher Trantow und Mag. Doris Psenicnik als zuständige Mitarbeiterin der Ausstellungsregistratur dazu befragen, wie eine Ausstellung entsteht. Vom ersten Kontakt mit den Künstlern bis hin zur Eröffnung – was und wieviel Zeit liegt dazwischen? Welche Hürden der (bürokratischen) Ebene gilt es zu überwinden – bis endlich eine Ausstellung ihre Pforten öffnet.

So kam es, dass an die zehn FRANS = Freunde und Fans des Universalmuseums Joanneum kurz vor 18:00 Uhr um eine flache Schichtholzbox im Space01 des Kunsthauses herumstanden und über dem Modell eines Kunstwerks „to come“ staunten: heute in zwei Wochen, am Donnerstag, 5. Juni wird sie eröffnet – eine Landschaft aus Farbe, mehrfach gefaltet und geschichtet, begehbar, erlebbar, sinnlich ertast- und erfühlbar. Momentan finden die Vorbereitungen für die Produktion der Künstlerin selbst statt.

KH grosse komplett

10 cm dicke weiße Schaumstoffbahnen liegen am Boden des Ausstellungsraumes, noch flach und ausgedehnt wie ein Salzsee oder ein Schneefeld. Irgendwie jungfräulich anzusehen. Drüber ist die Innenhaut der Blase mit feinem weißem Stoff verhängt in einer genialen Konstruktion des Produktionsteams im Kunsthaus: Magnete an Schnüren halten die als Abdeckung gedachten Stoffbahnen an der Innenseite der Decke, damit die intensive Farbe, die Katharina Grosse ihrer Landschaft verpassen wird, nur dort hinkommt, wo sie wirken soll. Wenn die Landschaften, Täler, Berge und Faltungen, die an Sedimente auf der Erfoberfläche erinnern sollen, aufgetürmt sind – das Kunstwerk fertig ist – dann könnte man ohne die Konstruktion der Magnete und Schnüre die Abdeckung der nicht beteiligten Decke im space01 nicht wieder entfernen. So aber wird das farbintensive Kunstwerk, auf das ich mich aufrichtig freue, in dem einzigartig, auch alleine schon landschaftlich-organisch geformten Raum für sich wirken – und man als Besucherin darin förmlich aufgehen können.

„Zwei Jahre, vom ersten Gespräch mit der Künstlerin bis zur Eröffunung der Ausstellung bei uns hier im Kunsthaus“, so lange dauerte die Vorbereitung dieser speziellen Ausstellung. „Und Katharina Grosse, die rufen wir für so etwas einfach an“, so beschreibt Katrin Rosalind Bucher Trantow die ersten Kontaktaufnahmen mit der Künstlerin. „Natürlich führten wir Gespräche auch schon vorher. Wir wollten Katharina Grosse bei uns haben, schon lange. Dann habe ich sie mal bei einer Vernissage getroffen und direkt darauf angesprochen.“ Dass der Termin dann klappt, von Seiten der Künstlerin sowohl wie seitens des Kunsthauses… „In dem Fall hat dann alles gepasst.“

Alles gepasst? Die Vorbereitungen zur gegenständlichen Ausstellung sind alles andere als reibungslos verlaufen, wage ich zu denken. Ursprünglich war geplant, dass die Besucherinnen und Besucher über die farbenprächtige, sedimentierte Landschaft von Katharina Grosse spazieren können. Einfach drüberlaufen und erleben, was sie dabei erfahren. Wie es sich anfühlt, über unvorstellbar rotes Rot zu gehen, dann auf ein Blau wie niemals vorher gesehen zu steigen und den nächsten Schritt in ein Grün oder Gelb zu machen, das das Gras oder die Sonne in den Schatten stellt. Man soll seinen Fuß in diese Landschaft der Phantasie setzen können. – Dann kommt die Realisierung und feuerpolizeiliche oder / und andere Auflagen lassen es bis zum Schluss unsicher erscheinen, wie genau das Publikum eine solche Ausstellung erleben darf.

Für mich ist eines jedenfalls sicher: Den Blick von der Galerie im space01 stelle ich mir einzigartig vor: Die unter mir liegende Landschaft wird sich nirgendwo anders wiederfinden als hier, im space01 des Kunsthauses Graz. Ich freue mich auf dieses Erlebnis. Und werde bei der Begehung – wie immer die auch ausfallen darf – an die Probleme und Lösungen vor der Ausstellung denken.

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